Stadt Roth (Druckversion)

Oktober

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Mausefalle

Aus die Maus aus Gütersloh

Ein gewisser Carl Bender entwickelte um 1900 das Prinzip dieser Falle. Seit den 1920er Jahren wurde der sogenannte Bender-Apparat von der Firma Wilmking in Gütersloh als automatische Wassermausefalle „Capito“ unter dem Markennamen Luchs hergestellt. Unser Exemplar stammt aus den 1960er Jahren.

Durch einen Köder angelockt, löste die Maus einen Mechanismus aus, der den Eingang mit einem Metallschieber verschloss. Nun blieb ihr nur der Weg durch die senkrechte Metallröhre nach oben. In der Mitte des Rohres war wiederum eine Engstelle, die den Rückweg unmöglich machte. Oben angekommen trat sie auf einen Kippmechanismus, der den Eingang wieder öffnete und die Maus gleichzeitig in den Metallbehälter darunter beförderte. War der Fallensteller gnädig gestimmt, war der Behälter leer und die Maus konnte lebend an anderer Stelle freigelassen werden. Vorgesehen war allerdings, den Behälter mit Wasser zu füllen, so dass die Maus jämmerlich ertrank.

Der große Vorteil gegenüber den sonst üblichen Schlagfallen war, dass mit der Luchs-Falle mehrere Mäuse nacheinander gefangen werden konnten. Heute sind solche Fangmechanismen aus Tierschutzgründen verboten.

September

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Die Stiftungstafel von Schloss Ratibor

Erinnerung an die schlesischen Besitzungen der fränkischen Hohenzollern

Heute befindet sich die um 1535 gegossene Bronzetafel im Inneren des Schlosses. An ihrem Originalstandort über dem Eingangstor des Schlosses ist eine Kopie angebracht.

Der Durchleuchtig hochgeboren Fürst und herr. Herr Georg Marggraf zu Brandenburg (...) herr der Fürstenthumb Opeln und Rattiborn (...) mein gnediger Herr hat alls man zalt nach der geburt Christi unnsers Seligmachers 1535 Ditz Schloß vonn grundt auff von dem einkomen der Schlesischen Fürstenthumb Bawen lassenn unnd den namen Rattibor ann der Retzet gebenn lassenn, so erläutert die Tafel, wie ein fränkisches Schloss den Namen des schlesischen Fürstentums Ratibor erhielt.

Markgraf Georg der Fromme (reg. 1515 bzw. 1527-1543) ließ in den Jahre 1535-38 Schloss Ratibor als Jagdschloss errichten. Der Bau entstand in einer Zeit, in der sich die territorialen Interessen Georgs in Schlesien verfestigt hatten. Nicht zuletzt dank geschickter Heiratspolitik gelang es dem Markgrafen, sich bedeutende Herrschaften in Schlesien zu sichern.

Die Namensgebung seines neuen Jagdschlosses und die Stiftungstafel selbst versinnbildlichen seinen Anspruch über das fränkische Stammland hinaus.

Die Tafel wird bekrönt vom kaiserlichen Wappen und der Huldigung an Karl V., auf dem Mittelteil befindet sich die Stiftungsinschrift mit der Titulatur Georgs und darunter sein Wappen (rechts) und das schlesische (links). Den gesamten unteren Teil nehmen die Wappen und Titulaturen der drei Gemahlinnen Georgs ein. Links Beatrix von Frangepan, die nach einjähriger Ehe 1510 starb und deren Erbe ihm ermöglichte, sich in Schlesien einzukaufen. 1512 handelte er mit den Herzögen von Oppeln und Ratibor eine Erbverbrüderung aus, die ihm deren Nachfolge im Falle des absehbaren kinderlosen Ablebens sicherte. 1523 erwarb Georg das Herzogtum Jägerndorf und stärkte damit seine Stellung in Schlesien. Durch die Ehe mit der Schlesierin Hedwig von Münsterberg (mittleres Wappen) 1525 sicherte er sich weiteren Einfluss. Der neue böhmische König Ferdinand I. versuchte den Markgrafen aus Schlesien zu verdrängen, was aber nicht gelang. Zwar erreichte Ferdinand einen Widerruf der Erbverbrüderung mit Oppeln und Ratibor zu seinen Gunsten, musste aber beim Eintritt des Erbfalles 1532 die Herzogtümer Georg als Pfandbesitz übertragen. Ein Jahr zuvor war Hedwig gestorben und Georg der Fromme heiratete nun Emilie von Sachsen (rechtes Wappen), die ihm den ersehnten Stammhalter gebar. 1551 kündigte Ferdinand das Pfandlehen, und den Markgrafen blieb nur noch ihr fränkisches Ratibor.

August

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Schröpfutensilien

Handwerk am Körper

Bis in das 20 Jahrhundert gab es das Handwerk des Baders, der neben dem Haareschneiden auch für Wundversorgung und kleinere medizinische Eingriffe zuständig war.

Ursprünglich galt eine Zweiteilung der medizinischen Berufe; akademisch ausgebildete Ärzte beschäftigten sich hauptsächlich mit den theoretischen Aspekten der Medizin, während die handwerklich ausgebildeten Wundärzte für chirurgische Leistungen aller Art  zuständig waren.

Ein Überbleibsel dieser Unterscheidung war bis in die 1950er Jahre das kombinierte Berufsbild des Baders und Friseurs.

Diese Schröpfgerätschaften stammen aus dem Bestand eines Baders. Im Vordergrund drei sogenannte Schröpfschnepper oder Scarifikatoren. Im Hintergrund ein gläserner Schröpfkopf und eine Lampe aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Das Schröpfen und Aderlassen galt bis weit in das 19. Jahrhundert als medizinisches Allheilmittel. Die Schröpfköpfe wurden über der Lampe erhitzt und auf die Haut gesetzt. Beim Abkühlen entstand ein Unterdruck, der das Blut an der betroffenen Stelle konzentrierte was heilend wirken sollte. Die Scarifikatoren dienten dem Aderlass: eine Anzahl scharfer Klingen konnte in ihrem Inneren mittels einer Feder gespannt werden, setzte man sie auf die geschröpfte Körperpartie und ließ die Messer zurückschnappen, ritzten sie die Haut an und das Blut floss ab und mit ihm das krankheitsauslösende "Gift".

Juli

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Holzrollen aus der Rother Synagoge

Letzte Zeugen einer langen Geschichte

Die beiden Holzrollen – vermutlich aus dem 18. Jahrhundert – dienten in der Synagoge der jüdischen Gemeinde Roth als Aufhängungen für die Kronleuchter.

Die ehemalige Rother jüdische Gemeinde war zu Beginn der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts bereits auf wenige Familien geschrumpft und zum Ende des Jahres 1935 löste sie sich ganz auf. Sicher haben auch die ständigen Repressionen seitens der Rother Ortsgruppe der NSDAP die Entscheidung der Gemeinde zur Auflösung und zum Verkauf ihrer Synagoge an einen christlichen Brauereibesitzer befördert.

Der Rother Ortsgruppenleiter – ein pathologischer Antisemit - stand nun vor einem perversen Problem. Zwar konnte er im Januar 1936 Roth stolz „judenfrei“ melden, doch fehlten ihm jetzt die Sündenböcke an denen er sich abreagieren konnte. Obwohl sich die jüdische Gemeinde eine würdevolle Verwendung ihres ehemaligen Gotteshauses vertraglich zusichern ließ, inszenierte er eine Synagogenschändung, in dem er Schutt in die Synagoge werfen ließ und die noch vorhandene Einrichtung zerstörte. Stolz sandte er die Fotografien dieser Zerstörung einer Synagoge, die schon gar keine Synagoge mehr war, an die Redaktion des Nazi-Hetzblattes „Der Stürmer“ in Nürnberg.

Die beiden Holzrollen tauchten bei Sanierungsarbeiten in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder auf und sind die letzten erhaltenen originalen Ausstattungsstücke der Rother Synagoge, die der Gemeinde fast 200 Jahre als Gotteshaus diente.

Juni

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Family Monument – from the History of Our Country

Eine Allegorie der amerikanischen Geschichte

Dieser großformatige Kupferstich (ca. 60 x 80 cm) stellt sicher das Hauptwerk des in Roth geborenen Künstlers Johann Michael Enzingmüller dar.

Er wurde am 23. Juni 1804 als viertes Kind des Webermeisters Johann Michael und dessen Frau Katharina Barbara in Roth geboren.

Schon frühzeitig erkannte der Rother Dekan Schnitzlein das künstlerische Talent des Jungen und ebnete ihm den Weg zur Nürnberger Kunstschule.

Wirtschaftliche Not veranlasste ihn 1848 mit seiner Familie nach Nordamerika auszuwandern. In Bremen schifften sie sich auf dem Dampfer Washington nach New York ein.

In New York wurde Enzingmüller Mitglied der American Art Union und vermutlich auch der National Academy of Design. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich u. a. durch Illustrationen diverser Bücher und Zeitschriften. Ab 1853 lebte Enzingmüller mit seiner Familie in Newark  bei  New York. Dort starb er am 10. April 1888.

Bereits wenige Jahre nach seiner Einwanderung entstanden, sprechen aus diesem Werk die Begeisterung für Amerika und die Hoffnungen des Künstlers für sein Leben in der neuen Heimat, der er dieses künstlerische Denkmal setzte.

Die Darstellung spannt einen großen Bogen von den Wikingern, rechts unten zu sehen, die bereits um das Jahr 1000 ihre Füße auf amerikanischen Boden gesetzt haben sollen, bis zu den 13 ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten als zentralem Bildmotiv.

Die wichtigsten Etappen und Personen der Geschichte der USA drängen ins Bild und werden dem Betrachter vorgeführt; Columbus hält mit Schwert und Fahne Einzug, hinter ihm gehen 1620 die Pilgerväter an Land und die ersten Sklavenhändler kommen ebenfalls bereits in einem Ruderboot angefahren.

In der Bildmitte sehen wir eine Siedlerfamilie, denn diese Siedler waren es, die das Land für die Europäer erschlossen, den Indianern links daneben bleibt nur, sich demütig niederzuknien und voller Bewunderung zu Columbus aufzuschauen.

Im Bildhintergrund breiten sich die Segnungen der Zivilisation über das weite Land aus – wir sehen zum Beispiel Eisenbahnbrücken und Telegraphenmasten.

Im hellen Licht erhebt sich im Zentrum des Bildes ein Felsen mit den eingehauenen Wappen der Bundesstaaten. Auf diesem Grundstein stehen in einer langen Reihe die ersten Präsidenten, angeführt von George Washington, der gerade seinen Eid auf die Verfassung ablegt. Allegorische Gestalten halten die Unabhängigkeitserklärung und die Flagge des neuen Staatenbundes in die Höhe.

Die emotional aufgeladene Darstellung ist ein typisches Beispiel für den Patriotismus der Amerika-Einwanderer im 19. Jahrhundert.

 

 

 

Mai

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Der Bismarckbleistift

Ein patriotisches Schreibgerät

Dieser sogenannte „Bismarckbleistift“ befand sich vermutlich schon vor dem 1. Weltkrieg im Museum. Wahrscheinlich jedoch als profanes Schreibgerät, welches nie in Funktion genommen wurde und irgendwann in den Museumsbestand überging.

1928 veröffentlichte ein Kurator des Museums einen Aufsatz mit dem Titel „Das werktätige Roth in alter und neuer Zeit“, in dem dieser Bleistift als Beispiel für den erfindungsreichen Gewerbefleiß der Stadt Roth, die sich gerade mit dem Titel „industriereichste Kleinstadt Bayerns“ schmückte (eine frei erfundenen Behauptung). 

Die ungewöhnliche Länge von fast einem halben Meter, des angeblich um 1876 in Roth produzierten Bleistifts, wird als Referenz an die Größe des „eisernen Kanzlers“ Otto von Bismarck gedeutet. Bis heute ließ sich für diese Behauptung kein Nachweis erbringen. Jedoch ist der Stift ein Beleg zum einen, für den Versuch die Stadt Roth als Innovationsstandort zu positionieren und zum anderen, für einen Zeitgeist, der selbst einen Bleistift für seine patriotische Haltung in Dienst nimmt.

 

 

April

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Anton Seitz, Portrait einer Gärtnerin

Spuren eines langen Arbeitslebens

Das kleinformatige Portrait (Öl/Leinwand, 22cm x34cm) stammt von dem Rother Maler Anton Seitz (1829-1900). Aus einer Rother Industriellenfamilie stammend, zog er es vor Malerei zu studieren und avancierte in München zu einem wichtigen Vertreter der sog. Münchner Schule. Für seine Sommeraufenthalte in Roth errichtete er sich am Rand der Stadt am Weinberg eine kleine Sommervilla mit Ateliergebäude.

Das Gärtnerehepaar Stengel kümmerte sich um dieses Anwesen mit seinem großen Garten, der von dem bekannten Münchner Gartenarchitekten Max Kolb stammte. Die großen Gartenfeste, zu denen jeden August Seitz‘ Künstlerkollegen und Freunde aus München anreisten, waren legendär.

Ebenso legendär war die äußere Erscheinung des Malers. Er trug seine Garderobe gerne gründlich auf und wurde so auf dem Weg vom Bahnhof zu seinem Haus öfter mit einem Bettler verwechselt.

Anton Seitz portraitierte „seine“ Gärtner (es existiert ein Pendant mit dem Ehemann) sehr einfühlsam und inszeniert in den Gesichtern  die Spuren einen langen Arbeitslebens. Zuerst  meint man die Gärtnerin weicht dem Blick des Betrachters aus, doch eigentlich blickt sie selbstbewusst in die Ferne und vermittelt eine zupackende Resolutheit, welche im Umgang mit dem künstlerischen Freigeist Anton Seitz wahrscheinlich von Nöten war.

1884 wurde der Künstler Anton Seitz der erste Ehrenbürger Roths, in einer Stadt, in der es an erfolgreichen Industriellen nicht mangelte, eine durchaus bemerkenswerte Entscheidung.

Jahrzehntelang blieben die Bilder im Besitz der Gärtnerfamilie und seit 1982 sind sie im Museum Schloss Ratibor als herausragende Zeugnisse der Portraitkunst zu sehen.

März

Tafelaufsatz Kogge
Tafelaufsatz Kogge

Tafelaufsatz in Form einer Kogge

Die Zähmung widerspenstiger Winde ist die schwierige Grundlage der Kunst des Segelns. Tafelaufsätze in Form von Schiffen kennen wir seit dem 13. Jahrhundert, sie gehörten vor allem in höheren Kreisen zum reich gedeckten Tisch.

Meist handelte es sich um aufwendige Goldschmiedearbeiten, die als Behälter für Tischgerät oder Gewürze dienten. Manche waren auch als Trinkgefäße gearbeitet. An vielen Höfen markierte ein solches Schiff den Platz des Fürsten an der Tafel. Es symbolisiert seine Funktion als „Kapitän“ seines Herrschaftsbereiches.

Bei dem Schiff aus dem Museum Schloss Ratibor handelt es sich um ein reines Zierstück aus Zinn und mit Glassteinen.. Die  Inschrift: „Schütz Dich Gott in Sturmesnoth“, lässt darauf schließen, dass es sich um ein Geschenk, vielleicht zur Taufe oder Konfirmation, handelte.

Obwohl die Jahreszahl 1757 auf dem Tafelaufsatz eingraviert ist, dürfte die Kogge eine Arbeit aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sein.

http://www.schloss-ratibor.de/index.php?id=1081